Mt. Joy sind eine dieser Bands, die man jahrelang verpassen kann – obwohl sie längst große Hallen füllen. Gegründet 2016 und stilistisch zwischen Indie-Rock, Folk-Rock und Alternative unterwegs, hat sich die Band vom Geheimtipp zum Live-Magneten entwickelt.

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Hope We Have Fun (VÖ: 30.05.2025) ist das vierte Album der Band und klingt wie ein Roadmovie in 13 Kapiteln: angenehm zu hören, organisch produziert und eher auf Atmosphäre als auf den schnellen Streaming-Hit ausgerichtet.

Sound: warm, organisch, ohne Showeffekte
Das Album setzt auf Gitarren, weiche Keyboard-Flächen und ein unaufgeregtes Band-Feeling. Einige Besprechungen ordnen den Sound als etwas „rockiger“ ein als zuvor. Aber ohne dass Mt. Joy ihren Indie-Folk-Kern verlieren.

Das Entscheidende ist dabei: Viele Songs funktionieren weniger über einen einzelnen riesigen Chorus, sondern über Stimmung, Groove und Details. Dadurch wächst die Platte eher beim zweiten oder dritten Durchlauf, statt sich sofort aufzudrängen.
Lyrics: Momentaufnahmen statt Manifest
Inhaltlich wirkt Hope We Have Fun wie eine Sammlung von Momenten: unterwegs sein, weitermachen, der Blick nach vorn – und dazwischen kurze Sätze, die hängen bleiben. In „More More More“ steckt mit „If you look, don’t look back“ eine Zeile, die wie ein Motto gegen das Grübeln wirkt.

„God Loves Weirdos“ wird in Interviews/Reviews oft als Song beschrieben, der Tour-Alltag in kleinen Szenen einfängt: Wenn nach dem Konzert die Lichter ausgehen und plötzlich wieder Tankstellen, Rastplätze und das Zwischenmenschliche zählen.
Der Titeltrack „Hope We Have Fun.“ wirkt am Ende wie ein leiser Schlusspunkt. Weniger Triumph, mehr warmes „trotzdem“. Eine treffende Einordnung findet sich auch bei PopMatters, wo der Song als ehrlicher Abschluss gelesen wird.
Persönliche Highlights
Ein klassischer „Hit“ ist für mich auf dieser Platte nicht der Punkt. Aber es gibt Stücke, die besonders gut funktionieren:
- „More More More“: ruhiger Einstieg, Gitarre und Keys greifen schön, der Textkern sitzt.
- „Pink Lady“: ein Song mit leicht klassischem Rock-Pop-Touch, der sich nicht aufdrängt, aber hängen bleibt.
- „Lucy“: melodisch-offen, wirkt wie ein ruhiger Fixpunkt im Albumfluss.
- „Wild and Rotten“ (feat. Nathaniel Rateliff): das Feature wirkt organisch, rauer und erdiger als vieles davor.
- „Hope We Have Fun“: als Schluss genau richtig – nicht kitschig, eher ein Ausatmen nach einer langen Strecke.
Unterm Strich bleibt: ein Album, das sich sehr gut durchhören lässt und gerade auf Vinyl seine Stärken ausspielt.
Vinyl-Check: Coyote Brown Edition
Die gehörte Version ist die Coyote Brown Edition, erkennbar am Hype-Sticker. Der Barcode/UPC lautet 198704355912 (auch als 0198704355912 geführt).

Ausstattung & Pressung
- Edition: Coyote Brown
- Label/Imprint: Futures
- Drehzahl: 33⅓ RPM
- Planlage: sauber und ohne Wellen
- Innenhülle: einfache Papierhülle (funktional, aber nicht ideal gegen Abrieb)
- Lyric-Sheet: ein Blatt, doppelseitig (klarer Pluspunkt)
- Oberflächenrauschen: leise
- Bass/Bühne: ordentlicher Bass, breite Bühne
- Abspielgerät: Rega RP1

Track-Verteilung (Vinyl)
Seite A (A1–A7): More More More · Coyote · In The Middle · Pink Lady · God Loves Weirdos · Scared I’m Gonna Fuck You Up · Lucy
Seite B (B1–B6): Groove In Gotham · Wild and Rotten · Highway Queen · She Wants To Go Dancing · You Are Who She Loves · Hope We Have Fun.
PE-Schutzhüllen
100 Stück

- 325 x 325 mm
- Stärke: 0,15 mm
- Polypropylen
Japanhüllen
100 Stück

- 325 x 315 + 30 mm
- verschließbar
- Polypropylen
Single-Hüllen
100 Stück

- ca. 187 x 187 mm
- Stärke: 0,10 mm
- Polyethylen
Die Seiten sind sinnvoll aufgeteilt, ohne dass eine Seite überladen wirkt – gut für Dynamik und Lautstärke.
Fazit
Hope We Have Fun ist ein Album, das nicht nach dem großen Moment schreit, sondern nach dem, was bleibt: gute Songs, warmes Bandgefühl, kleine Beobachtungen und ein Grundton, der eher tröstet als protzt. In der Coyote Brown Vinyl-Edition stimmt das Paket: optisch eigenständig, solide gepresst, leises Grundrauschen und ein Lyric-Sheet als echter Mehrwert. Ein schönes „Durchlauf-Album“, das auf Vinyl genau in der richtigen Geschwindigkeit atmet.
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